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Maracaná, Brasiliens Fussballtempel

in > STADIEN DER WELT < 16.07.2012 08:06
von printmaster • Admin | 1.755 Beiträge

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Es gibt nur wenige Stadien weltweit, die sowohl als Sportstätte wie auch als historisches Monument Bedeutung erlangt haben, doch das Estádio Mário Filho - so der offizielle Name des Maracaná-Stadions - gehört mit Sicherheit dazu. Zum einen liegt dies an den gewaltigen Dimensionen, der riesigen Zahl von Sitzplätzen und der majestätischen Architektur dieses gigantischen Bauwerks, zum anderen daran, dass das im Herzen Rio de Janeiros für die Weltmeisterschaft Brasilien 1950 errichtete Stadion einige der unvergesslichsten Momente des brasilianischen und des Weltfussballs erlebt hat.

In der Welt des südamerikanischen Fussballs hat das Maracaná-Stadion inzwischen mythische Proportionen angenommen und gilt als nahezu uneinnehmbare Festung - denn eine gute fussballerische Leistung allein reicht hier nicht aus, um den Sieg davonzutragen. Die größten Spieler Brasiliens, wie Pelé, Garrincha, Zico oder Romario haben auf diesem heiligen Rasen ihre besten Spiele gezeigt, vor den Augen von bis zu 183.000 fanatischen Zuschauern, vor denen nur die stärksten und zähesten Auswärtsmannschaften bestehen konnten.

Als der Austragungsort der Weltmeisterschaft 1950 feststand, nahmen die Brasilianer dies als Anlass für den Bau des größten Fussballstadions der Welt: Man wollte ein gigantisches Bauwerk als passenden Rahmen für den zu erwartenden Turniersieg der Heimmannschaft errichten. 1948 begannen die Arbeiten, bei denen täglich über 10.000 Arbeiter unter der heißen Sonne Rios schufteten. Als das Stadion fertig gestellt war, überstieg sein Fassungsvermögen das des bisherigen "Rekordhalters", des Hampden Park in Glasgow, um 43.000 Zuschauer.

In einem Artikel der Zeitung A Noite spiegelte sich der immense Stolz, den alle Brasilianer zu diesem Zeitpunkt verspürten: "Seit heute hat Brasilien das größte und beste Stadion der Welt, und damit eine wahrhaft einzigartige Bühne, auf der es der Welt seine sportliche Erhabenheit und sein überlegenes Können demonstrieren kann."

Das Stadion wurde der Weltöffentlichkeit vor dem Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft Brasilien 1950 offiziell vorgestellt. Im Verlauf des Turniers trugen die Gastgeber fünf ihrer sechs Spiele im Maracaná aus (das sechste Spiel fand im Pacaembú-Stadion von Sao Paulo statt). Die Brasilianer unter ihrem Trainer Flavio Costa galten als hohe Favoriten auf den Titel, und nachdem die Elf Schweden und Spanien mit 7:1 bzw. 6:1 in Grund und Boden gespielt hatte, ging sie mit dem prahlerischen Gehabe eines vermeintlich sicheren Siegers in das Finale gegen Uruguay. Da der Turniersieg in diesem Jahr in einer Finalrunde der besten Vier ausgespielt wurde, hätte Brasilien im letzten Spiel schon ein Unentschieden zur Weltmeisterschaft genügt.

Das "Finale" fand am 16. Juli 1950 vor offiziell 174.000 Zuschauern statt, obwohl verlässliche Quellen die tatsächliche Zuschauerzahl für wesentlich höher halten. Eine dieser Quellen war Joao Havelange, Präsident der FIFA von 1974-1998, der sich mit folgenden Worten an dieses Spiel erinnerte: "An diesem Tag waren etwa 220.000 Menschen im Stadion" - eine Zahl, die etwa zehn Prozent der damaligen Bevölkerung Rio de Janeiros entsprach.

Nach dem Führungstreffer durch Friaca schien das Spiel ganz nach dem Geschmack der Brasilianer zu verlaufen. Doch die Antwort Uruguays erschütterte ganz Brasilien bis ins Mark: Juan Schiaffino und Alcides Ghiggia drehten das Match für die Charrúa und sicherten Uruguay den Sieg und den Weltmeistertitel. Im Moment dieses schwärzesten Augenblicks in der Geschichte des brasilianischen Fussballs senkte sich eine unheimliche, beklemmende Stille über das gigantische Stadion. Die Weltpresse bezeichnete Uruguays Überraschungssieg als Maracanázo - ein Begriff, der auch heute noch verwendet wird, wenn eine Auswärtsmannschaft im Maracaná gewinnt."

Erwachsene Männer kämpften nach dem Spiel mit den Tränen. Einige Fans hatten schon kurz vor Spielschluss beim Stand von 1:1-Unentschieden ihre Plätze verlassen, im sicheren Glauben, Brasilien wäre Weltmeister. Doch noch bevor sie das Haupttor erreichten, hatte sich ihr Traum in Luft aufgelöst", erinnerte sich Havelange.

Der Legende nach war auch Jules Rimet, der damalige Präsident der FIFA, bereits auf dem Weg von der Ehrentribüne aufs Spielfeld, um den Brasilianern den WM-Pokal zu überreichen. Doch als er unten am Spielfeld eintraf, hatte Uruguay den 2:1-Siegtreffer erzielt und war damit Weltmeister. Angeblich warf Rimet - den diese Wendung der Ereignisse ebenso sprachlos machte wie die Zuschauer im Stadion - daraufhin kurzerhand die Glückwunschrede weg, die er für den brasilianischen Sieg vorbereitet hatte, und übergab den Pokal ohne ein weiteres Wort an Uruguays Fussballheld Obdulio Varela.

In den Augen einiger Fans ist es Brasilien bis heute nicht gelungen, sich für diese Niederlage angemessen zu revanchieren, doch immerhin gelang es der Selecão am 16. Juli 1989 dank eines Treffers von Romario, Uruguay an gleicher Stätte im Finale der Copa América zu besiegen.

Viele große brasilianische Klubmannschaften tragen ihre entscheidenden Spiele im Maracaná-Stadion aus. Das wahrscheinlich berühmteste Aufeinandertreffen dieser Art ist das sagenumwobene "Fla-Flu" - der klassische Showdown zwischen Flamengo und Fluminense, das wohl spektakulärste Stadtderby im südamerikanischen Fussball.

Darüber hinaus hat das Maracaná einige der bedeutendsten Momente in der Geschichte des brasilianischen Fussballs gesehen, darunter 1969 Pelés 1000. Tor seiner Karriere. Es war der 19. November, und O Rei spielte damals mit dem FC Santos gegen Vasco da Gama. Als Pelé in der 34. Minute einen Elfmeter gegen Vasco da Gamas argentinischen Torhüter Edgardo Andrada verwandelte, stürmten Hunderte von Fans und Fotografen das Spielfeld, und das Match musste unterbrochen werden.

Am 20. Januar 1983 erlebte das Stadion eine weitere bittere und aufrüttelnde Stunde: An diesem Tag wurde der Leichnam Garrinchas, eines der größten Spieler des brasilianischen Fussballs, ins Maracaná gebracht, wo Tausende von Fans ihrem gefallenen Idol ein letztes Mal Respekt zollen und von ihm Abschied nehmen konnten.

Im Jahr 2000, fünfzig Jahre nach dem legendären Maracanázo, war das Stadion Austragungsort der ersten FIFA-Klub-Weltmeisterschaft. In einem rein brasilianischen Endspiel sahen 73.000 Zuschauer den Sieg von Corinthians Sao Paulo gegen Vasco de Gama aus Rio de Janeiro.

Die letzten Worte gehören natürlich dem großen Pelé: "Das Maracaná ist ein ganz besonderer Ort für alle Brasilianer - und vor allem für mich. In diesem Stadion habe ich mein erstes Tor für die Auriverde gegen Argentinien erzielt, und hier konnte ich auch, viele Jahre später, das eintausendste Tor meiner Karriere feiern. Über 1.700 Spieler haben auf diesem Rasen gespielt, und die Atmosphäre im Maracaná ist einzigartig auf der Welt."
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Man muss Fußball nicht verstehen, man muss sich nur damit zurechtfinden!

zuletzt bearbeitet 16.07.2012 08:30 | nach oben springen
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