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Estadio Centenario ............ Uruguay

in > STADIEN DER WELT < 16.07.2012 08:15
von printmaster • Admin | 1.755 Beiträge

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Das Hauptportal sowie das Centenario-Stadion wie es sich den Zuschauern 1930 zur 1. WM anbot.

Das Estadio Centenario in Montevideo symbolisiert gewissermaßen den Übergang von der Vergangenheit zur Gegenwart in der Welt des Fussballs. Es ist nicht nur ein Monument der südamerikanischen Liebe für den Sport - der Betonkoloss mit seinem Fassungsvermögen von 100.000 Zuschauern war darüber hinaus Hauptaustragungsort des ersten FIFA-Weltpokals überhaupt, und machte der Weltöffentlichkeit damit endgültig klar, dass Fussball der einzig wahre globale Sport ist.

Aber das Estadio Centenario trägt seinen beziehungsreichen Namen nicht ohne Grund: Es wurde nicht allein für den FIFA-Weltpokal errichtet, sondern auch zur Feier der einhundertjährigen Unabhängigkeit Uruguays. Damit ist es nicht nur ein Meilenstein in der Architektur des Fussballs sondern auch Symbol nationaler Identifikation.

Obwohl das Premierenturnier mit der größten Wirtschaftskrise des 20. Jahrhunderts zusammen fiel, nutzten 13 Nationen die Chance, daran teilzunehmen - und dabei mindestens einmal im Centenario aufzulaufen. Zehn der insgesamt 18 Partien wurden in der schmucklosen Schüssel des Centenario ausgetragen, darunter auch Viertelfinale, Halbfinale und Endspiel. Auf diese Weise avancierte das Centenario endgültig zur Kultstätte und wurde von Jules Rimet höchstselbst zum "Fussballtempel" gekürt. Der Bau des Centenario war ein überaus ehrgeiziges Projekt.

Der Startschuss fiel am 21. Juli 1929, aber der Hauptstadt Uruguays fehlten an sich die Voraussetzungen. Um ein Ereignis von der Dimension zu veranstalten, wie sie FIFA-Präsident Jules Rimet vor Augen hatte, mangelte es sowohl an der nötigen Infrastruktur wie auch an wirtschaftlicher Sicherheit. Trotzdem arbeiteten die Bauarbeiter unermüdlich, um das Stadion rechtzeitig fertig zu stellen. Die einzelnen Bauabschnitte wurden zeitgleich verschiedenen Unternehmen übertragen. Die Versorgung mit Wasser und Strom oblag der Stadtverwaltung. Unter Aufsicht des Architekten Juan Antonio Scasso wurde ein Dreischichtbetrieb eingeführt und rund um die Uhr gearbeitet.

Der immense Aufwand sollte sich lohnen: Als Uruguay am 18. Juli gegen Peru erstmals ins Geschehen der ersten Weltmeisterschaft eingriff, gewannen die Gastgeber verdient mit 1:0 - fünf Tage nach Beginn des Turniers an anderen Spielstätten in Montevideo.

Bis heute gilt das Centenario als Hauptspielort der Endrunde von 1930. Tatsächlich aber gab es in Montevideo noch zwei weitere, wenn auch relativ kleine Stadien: das Pocitos-Stadion und den Parque Central. Das erste Spiel der Weltmeisterschaft - das deutliche 4:1 Frankreichs gegen Mexiko - fand am 13. Juli in eben jenem Pocitos-Stadion vor nur 1.000 Zuschauern statt. Zum Glück für die Gastgeber aber fanden alle fünf Spiele der Celeste auf dem Weg zum ersten und bislang einzigen Weltpokal-Titel im höhlenartigen Centenario statt.

Im legendären Endspiel von 1930 lagen die Hausherren schließlich zur Pause mit einem Tor zurück und überrollten den Nachbarn und Erzrivalen aus Argentinien am Ende doch noch mit 4:2. Damit war Uruguay der erste Weltmeister im aufstrebenden Sport der damaligen Zeit. Uruguays Kapitän José Nazassi durfte als erster Spieler die Siegertrophäe 'Victoire aux Ailes d'Or' in die Höhe halten, die später in Jules-Rimet-Pokal umbenannt werden sollte. Die Feierlichkeiten in Montevideo dauerten Tage. Die globale Ära des Fussballs hatte mit einem Triumph der Hausherren begonnen. Das Gesicht des Fussballs sollte damit ganz neue Züge bekommen.

Ein Dreivierteljahrhundert später geht das Centenario selbst stramm auf sein 100-Jähriges zu. Das Stadion ist bis zum heutigen Tag Heimstatt und oftmals uneinnehmbare Hochburg von Uruguays Nationalmannschaft. Die Charruas haben in der tollen Atmosphäre des Stadions kaum eine Partie verloren, und selbst die ganz Großen des Weltfussballs verneigen sich in Ehrfurcht vor der stolzen Tradition der Kultstätte in Montevideo. Rekordtitelträger Brasilien etwa kann nur zwei offizielle Siege in 20 Anläufen verbuchen.


Das Stadion wurde modernisiert und man beachte die bunt gestaltete Fassade.

Auch Uruguays Copa-America-Statistik treibt jedem echten Fan Freudentränen in die Augen. Sieben Mal gastierte die Südamerikameisterschaft in Uruguay, vier Mal davon seit der Errichtung des Centenario 1930 - und bei allen vier Gelegenheiten blieben die Hausherren auf dem "geweihten Boden" des altehrwürdigen Stadions ungeschlagen und sicherten sich den kontinentalen Titel.

Montevideos rivalisierende Fussballvereine Penarol und Nacional haben dort unzählige Derbys ausgefochten. Beide Klubs beanspruchen das Centenario als Heimstatt für sich. Moderne Annehmlichkeiten bietet das Stadion indes kaum. Noch heute steht es fast so da, wie es anlässlich der ersten Endrunde einer Weltmeisterschaft gebaut wurde. Wer in das weite Rund mit dem in den Himmel ragenden Turm blickt, fühlt sich augenblicklich zurückversetzt in die Zeit geschnürter Trikots, langer Hosen und klobiger Fussballstiefel, als alles noch neu und irgendwie unschuldig war und die Weichen für eine große Zukunft gestellt wurden.
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Man muss Fußball nicht verstehen, man muss sich nur damit zurechtfinden!

zuletzt bearbeitet 16.07.2012 08:25 | nach oben springen
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