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2.1.2012

in Neues aus Österreich 02.01.2012 06:52
von printmaster • Admin | 1.755 Beiträge

Der Österreichische Fußballbund hat sich freigeschwommen, bei der Suche nach einem neuen Teamchef über den Tellerrand hinaus geschaut und Marcel Koller entdeckt. In Wien ist vielen ganz anders geworden.

Eigentlich wäre das Jahr 2011 für die österreichische Fußball-Nationalmannschaft so wie immer gelaufen. Vor dem ersten Saisonspiel entstand eine völlig unbegründete, aber herzerwärmende Euphorie, unweigerlich folgte eine kalte Dusche und der radikale Absturz von Wolke sieben in das Jammertal.

Schließlich wurde wieder einmal die Qualifikation für ein großes Turnier – heuer war es die Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine – recht deutlich verpasst und der Teamchef vor die Tür gesetzt. Dietmar Constantini hatte die Trainerbank am 4. März 2009 als Sunnyboy erobert und verließ sie am 13. September 2011 als Grantscherm. Der Tiroler wird sich bald wieder zurückverwandeln und demnächst mit runderneuertem Charme auf dem Tummelplatz der geschassten Trainer auftauchen: bei einem TV-Sender als Fußball-Experte und Wuchteldrucker vom Dienst.

Das Teamchef-Casting verlief dann völlig anders als bisher. In der Jury durften die bestens vernetzten Seilschaften der Wiener Haberer-Partie nicht mehr die Fäden ziehen. Nicht einmal Österreichs öffentlich-rechtlich-kleinformatiger Rundleder-Chef-Analyst Herbert Prohaska konnte sein Friendship-Ticket verteilen.

Einigen Einflüsterern und Machatschecks dürfte völlig entgangen sein, dass es nicht mehr reicht, sich mit Küniglbergern und Krone-Typen auf ein Packerl zu hauen und schon hat man eine öffentliche Meinung im Sack. Vor allem in den neuen Medien des Internets haben sich längst Fußball-relevante Instanzen etabliert. Diese waren bereits maßgeblich daran beteiligt, dass man das ihrer Meinung nach beratungsresistente „Old-School“-Trio Constantini-Zsak-Wohlfahrt letztendlich in die Wüste schickte. Sie treiben auch verstärkt die Print-Kollegen vor sich her und setzen neue Bench-Marks in Sachen Match-Analyse und System-Kritik.

Der ÖFB-Herbst erinnert so gesehen in Ansätzen an den Arabischen Frühling, in dem die Menschen mit den Tools der neuen Medien verkrustete Machtstrukturen knackten. Die „Revolution light“ im Österreichischen Fußball-Bund ging natürlich den Landessitten gemäß recht gemütlich über die Bühne. Einige Landesfürsten wurden ihrer fragwürdigen Kompetenzen beraubt, die Strukturen etwas abgeschlankt, aber der inzwischen zum Generaldirektor beförderte Generalsekretär darf immer noch mehr verdienen als der österreichische Bundeskanzler.

Ein Schweizer auf dem Radar

ÖFB-Präsident Leo Windtner spielte also bei der Teamchefsuche nicht das Spiel der Alt-Internationalen, sondern orientierte sich, wie es ein guter Manager machen sollte, nach den Spielregeln der freien Marktwirtschaft. Ein präzises Anforderungsprofil wurde erstellt, der Rat von externen Experten eingeholt, verschiedene Hearings wurden durchgeführt und schließlich eine Entscheidung getroffen, die selbst für Insider völlig überraschend gewesen ist. Der Name Marcel Koller war nur wenigen Experten bekannt, niemand kam auf die Idee, dass der Schweizer bei der Teamchsuche auf dem Radar des ÖFB auftauchen könnte.

Dem Bekanntwerden der Wahl – natürlich passierte das durch eine Indiskretion im engeren Kreis des ÖFB-Präsidiums schon vor der offiziellen Präsentation – folgte der empört-beleidigte Aufschrei der altbekannten Cordoba-Gespenster und ihrer Sympathisanten. Ein mehr als sachdienlicher Hinweis darauf, dass Windtner mit Koller den richtigen Mann geholt haben könnte.

Obwohl die Teamchefpremiere des 51-jährigen Schweizers beim 1:2 in der Ukraine mit einer Niederlage endete, stehen die Zeichen auf Hoffnung. Mit Koller hat der ÖFB nicht nur einen neuen Nationaltrainer geholt, sondern ein neues System installiert. Ob bei der Sportmedizin, bei den Spiel-Beobachtungen, im wissenschaftlichen oder psychologischen Bereich – das Team hinter dem Teamchef ist breit und kompetent aufgestellt.

Das muss man nicht als eine große Errungenschaft verkaufen, denn dieses Set-up ist im internationalen Fußball längst üblich. 2011 hat Österreichs Nationalteam also noch keinen großen Schritt nach vorne gemacht, es ist das Jahr, in dem es Kontakt aufgenommen hat – Kontakt mit der gelebten Praxis vergleichbarer Nationalmannschaften, die es im Gegensatz zur österreichischen in den vergangenen Jahren geschafft haben, sich regelmäßig für große Turniere zu qualifizieren.

Viele Kritiker sind inzwischen verstummt, weil Koller von den meisten Menschen nicht als Blender, sondern als nüchterner Analytiker und penibler Arbeiter wahrgenommen wird. Das Schweigen dürfte trotzdem weniger eine Zustimmung, sondern eher ein populistisch motiviertes Stillhalteabkommen bis zum ersten gröberen Misserfolg des neuen Teamchefs sein. Jeder Trainer wird letztendlich nur daran gemessen, ob sein spielendes Personal ins Tor trifft. Was zum Auftakt der Qualifikation für die WM 2014 für Kollers Kicker nicht einfach sein wird. Als ersten Gegner empfängt Österreich am 11. September 2012 in Wien Lieblingsfeind Deutschland.


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Man muss Fußball nicht verstehen, man muss sich nur damit zurechtfinden!

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